„Schon vor einigen Jahren fiel mir in einer Mineralienzeitschrift ein Artikel auf, in dem ein amerikanischer Händler dem Publikum anhand eines Kriterienkatalogs erklärte, wie eine Stufe auszusehen habe, welche Kriterien sie erfüllen müsse, um „sammelwürdig“ zu sein – mein erster Gedanke war: wie langweilig. Würde man das wirklich ernst nehmen, sähe jede Sammlung gleich aus. Zudem beobachte ich die Entwicklung, dass Menschen ohne großen Bezug zur Mineralogie mit maximalem finanziellem Aufwand einfach eine Vitrine mit 50 bis 100 Stücken aufbauen; da finden sich dann die üblichen Verdächtigen: ein Turmalin aus Brasilien, ein Gold aus Kalifornien, ein Aquamarin aus Pakistan usw. – Investment nennt man das heute. Ich nenne es eine Ansammlung. Und um es gleich vorweg zu sagen: Wer Fabian Wildfang besucht, erlebt eine echte SAMMLUNG.
Mit großer Begeisterung sammelt Fabian Wildfang Turmaline – und zwar weit über die bekannten Fundorte hinaus. Doch selbst bei großen Namen wie Pederneira oder Paprok gab er sich nicht mit den üblichen, zu erwartenden Stücken zufrieden; vielmehr offenbart sich die ganze Vielfalt solcher Fundorte in all ihren Farben, Kristallformen und Paragenesen. Man sieht Dinge, von denen man nicht wusste, dass sie dort gefunden wurden, man sieht Stufen von atemberaubender Qualität, aber auch Kuriositäten wie geätzte und zepterartige Kristalle, man bekommt Farbvarietäten zu sehen, die von einem bestimmten Fundort nahezu unbekannt sind – kurz gesagt: Das Staunen nimmt kein Ende. Schon die Turmaline allein sind das beste Beispiel dafür, was eine echte Sammlung ausmacht – die Natur unterwirft sich keinen menschengemachten Kriterien, und in den Regalen der Sammlung Wildfang offenbart sich diese unendliche Vielfalt bereits an diesem einen Mineral.
Doch damit nicht genug – ein weiteres Mineral, das sich wie kaum ein anderes durch sieben verschiedene Kristallformen und unerschöpfliche Kombinationsmöglichkeiten mit anderen Mineralien sowie durch alle Farben des Regenbogens auszeichnet, ist der Fluorit – und auch ihm wird in der Sammlung breiter Raum gegeben. Von fantastischen Stufen aus Illinois über rote Oktaeder aus den Alpen bis zu eindrucksvollen Stücken aus China und Russland findet sich auch hier ein enormes Spektrum.
Wer die großen europäischen Klassiker sucht, wird nicht enttäuscht – neben Erzstufen aus Rumänien und Raritäten aus Griechenland und Ungarn finden sich Pyromorphite aus Les Farges und Azurite aus Chessy. Der Liebhaber von Kupfermineralien kommt mit einer reichen Auswahl an Tsumeb-Mineralien auf seine Kosten, eine ganze Etage mit Rhodochrositen aus Südafrika und Colorado fehlt ebenso wenig wie eine umfangreiche alpine Sammlung mit atemberaubenden Titaniten, Gwindeln auf Matrix, einem der schönsten mir bekannten Epidote von der Knappenwand und vielem mehr – wer dachte, alpine Sammlungen bestünden hauptsächlich aus Quarz und seien farblos, wird hier eines Besseren belehrt.
Es würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen, alle Fundgebiete und Mineralien aufzuzählen, die sich in den Vitrinen der Sammlung finden – doch kein Teil der Sammlung besteht aus einfachen Stufen. Mit unglaublicher Sorgfalt, einem ausgeprägten Blick für Ästhetik, mit viel Geduld, Erfahrung und Sachverstand wurde über Jahrzehnte eine spektakuläre Sammlung zusammengetragen und zudem bestmöglich präsentiert. Dem Betrachter bietet sich Vielfalt auf höchstem Qualitätsniveau und in erlesener Ästhetik, die Betrachtung lässt die Zeit vergessen, und die mitgenommenen Eindrücke bereichern den eigenen Blick und das eigene Sammeln ungemein. Zudem ist die Sammlung so umfangreich, dass man auch nach dem fünften oder zehnten Besuch immer wieder neue Stücke, neue Details entdecken kann. Ich kann jedem Sammler nur raten – auch bei langer Anreise – unbedingt vorbeizuschauen, der Besuch dieses Museums lohnt sich!